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Das Interesse an Entspannungsverfahren wird weiter steigen

Ulrich-Ott (c) annavoelske.comAnfang April sprach Jost Sagasser, Leiter Unternehmenskommunikation bei der brainLight GmbH mit Dr. Ulrich Ott, Dipl.-Psychologe am Bender Institute of Neuroimaging der Justus-Liebig-University Gießen. Dort ist Dr. Ott Arbeitsgruppenleiter. Bekannt wurde der Psychologe und Neurowissenschaftler durch sein Buch „Meditation für Skeptiker“.

Sagasser: Herr Dr. Ott, warum brauchen wir Entspannung?

Ott: Entspannung bietet uns einen Ausgleich für den meist doch ziemlich hektischen Arbeitsalltag. Ruhe und Erholung sind wichtige Quellen, um wieder Kraft zu schöpfen und zur Besinnung zu kommen.

Sagasser: Wie wirkt Entspannung/ Meditation auf das Gehirn, auf das Bewusstsein bzw. den Körper, also auf mind und body?

Ott: Die Wirkungen von Entspannung und Meditation sind inzwischen sehr gut wissenschaftlich belegt. Auf seelischer Ebene nehmen beispielsweise Stress, Ängste und Depressionen ab, auf körperlicher Ebene beobachten wir eine Senkung der Herzrate, des Blutdrucks, der muskulären Anspannung und der Schweißdrüsenaktivität. Die Veränderung im Erleben wirken sich auch positiv auf die Aktivität und Struktur des Gehirns aus. Hirnregionen wie der Hippocampus, die empfindlich auf dauerhaft hohe Stresspegel reagieren, erholen sich beispielsweise durch ein Training in Achtsamkeit.

Sagasser: In vielen Medien wird berichtet, dass zu viel negativer, krankmachender Stress ein Problem unserer heutigen Zeit sei, sehen Sie das genauso?

Ott: Ja, schon, denn in früheren Zeiten hatten die Menschen zwar auch Stress zu bewältigen, aber durch die neuen Kommunikationsmittel haben die Erreichbarkeit und der Zeitdruck noch einmal deutlich zugenommen. Auch die regelmäßigen Berichte der Krankenkassen verdeutlichen, dass vor allem die psychischen Belastungen eine immer größere Rolle spielen.

Sagasser: Wie sollte man Ihrer Meinung nach mit negativem Stress umgehen? Welche Techniken und Produkte können helfen, entspannter zu werden?

Ott: Es gibt verschiedene klinische Entspannungsmethoden mit nachgewiesener Wirksamkeit wie beispielsweise das Autogene Training und die Progressive Muskelentspannung. Daneben hat das Interesse an meditativen Verfahren – wie Yoga, Vipassana, Zen, Tai Chi oder Qigong – in den letzten Jahren stark zugenommen und die Krankenkassen übernehmen oft einen Teil der Kosten für Kurse von geprüften Anbietern. Vor allem das Programm „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“ hat sich in vielen Studien bei Gesunden und Patienten als wirksam erwiesen. Außerdem nutzen viele Menschen zum Entspannen Dinge, die ihnen gut tun, wie Spaziergänge in der Natur, Musik hören, sportliche Aktivitäten oder einen Besuch in der Sauna. Und zu guter Letzt gibt es schließlich noch technische Hilfsmittel wie die brainLight-Systeme mit Massagesessel, Entspannungsinstruktionen, Musik und Licht- und Wärmestimulation, die in relativ kurzer Zeit einen Zustand tiefer Entspannung hervorrufen.

Sagasser: Welche positiven Wirkungen konnten im Rahmen Ihrer Forschung bei den Anwendern der brainLight-Systeme festgestellt werden?

Ott: In unseren Studien zum brainLight-System haben wir Fragebögen eingesetzt, um die Wirkungen auf das Erleben zu untersuchen. Wir konnten feststellen, dass die studentischen Probanden nach der Sitzung positiver gestimmt waren als vorher. Für eine tiefe Entspannung sprechen außerdem die Angaben zu einer veränderten Zeit- und Körperwahrnehmung sowie zur Versunkenheit. Auch Veränderungen der elektrischen Hirnaktivität deuten darauf hin, dass tatsächlich eine leichte Trance hervorgerufen wurde. Wie angenehm und positiv die Erfahrung war, haben wir auch daran bemerkt, dass die Probanden meist mit einem breiten Grinsen aus dem Versuch kamen.

Sagasser: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft im Bereich Entspannung und Achtsamkeit aus?

Ott: Das Interesse an entsprechenden Verfahren ist nach wie vor groß und wird weiter steigen. Neue Technologien, vor allem Smartphone Apps, werden dabei eine immer größere Rolle spielen, indem sie den Nutzern individuell angepasste Hilfestellungen beim Üben geben. Mit Hilfe von Sensoren können inzwischen auch Maße wie die Hautleitfähigkeit, Herzrate und Hirnaktivität erfasst und für ein Entspannungstraining mit Biofeedback genutzt werden. Auch die Technologien der virtuellen Realität bieten vielfältige Potenziale für Entspannung und Meditation, indem sich jemand in eine förderliche Umgebung versetzen kann. Ich bin selbst sehr gespannt, wie die Entwicklung hier weitergeht.

Sagasser: Danke für dieses Impulse gebende Gespräch.